Die Probleme der Welt (31/2009)

Die Probleme der Welt (31/2009)

Samstag, 01. August 2009
Friedensfreund
Fußballfan
Gothicgirl
Sonderschüler
Spitzensportlerin
Wirt

“Die Probleme der Welt lösen sich nicht mit Geld. Und damit meine ich die wirklichen Probleme. Ungleichheit ist ein Problem. Wie wollen wir jedem gleiche Chancen, die gleiche Ausgangsposition, den gleichen Geldbetrag geben? Es geht nicht um das: ‚Woher nehmen?‘ Es geht viel mehr darum, festzulegen, worin dieser Gleichheitszustand konkret bestehen soll. Wodurch er charakterisiert wird. Er müsste definiert werden. Nur wie? Wie viel Geld pro Kopf? Dazu müsste man wissen, wie viel Geld es auf unserer Welt insgesamt gibt, was allerdings niemand wissen kann, da sich diese Summe ständig ändert. Dann müsste die ganze Kohle auch noch auf eine sich andauernd ändernde Menschenmenge verteilt werden. Leider kann das nicht klappen.

Hinzu kommen tausend andere Gründe die dagegen sprechen. Und wenn man es doch schaffen würde, alle absolut gleichzustellen, so müsste man erkennen, dass zahlreiche neue Probleme und Konflikte entstanden sind, da gar nicht alle gleich sein wollen. So lange diese Ungleichheit aber existiert, wird es Straftaten wie Diebstähle, aber auch Lügen und Betrügen und on top Morde geben. Kriege. Da beißt die Katze sich in den eigenen Schwanz. Unlösbar. Und erst recht nicht mit Geld. Und dieses grüne Hippie-Gerede einiger Gäste hier spar ich mir. Ist klar, dass ausgestorbene Arten durch Geld nicht wieder lebendig werden. Oder doch? Mal sehen, was die Zukunft bringt. Gentechnik und dergleichen. Mal abwarten. Aber mir ist das mehr oder minder egal. Priorität den zwischenmenschlichen Problemen! Das vordere ich vehement.“

 „Wo beginnt und wo endet die Gleichheit? Ist eine unterschiedliche Körpergröße nicht bereits eine Unausgewogenheit an Chancen? Vom finanziellen Aspekt ganz unabhängig. Und was ist mit Glück und Zufall? Wie sollen diese Faktoren fair verteil werden?“ Unterdessen wird das Gothicgirl vom wesentlich älteren Friedensfreund angebaggert. Sie ignoriert einfach und lauscht den Streithähnen. Der Fußballfan lässt sich vom Wirt einen Lappen geben um sein verschüttetes Bier aufzuwischen. „Gibt es Glück und Zufall überhaupt? Ich denke nicht. Ich glaube eher an Schicksal.“ „An Schicksal? Daran, dass alles vorbestimmt ist? Daran, dass du nur tust, was du tun musst? Daran, dass du keine Entscheidungsgewalt hast? Daran, dass du nur eine Marionette auf dem großen Spielfeld Erde bist?“

„Nichts passiert zufällig. Zufall ist doch nur eine faule Ausrede für Zusammenhänge, die wir nicht erkennen. Nur weil wir nicht verstehen, warum es gerade so gekommen ist, wie es gekommen ist, sprechen wir von Zufall. Das ist doch erbärmlich. Für alles gibt es rationale Erklärungen. Wenn wir würfeln, steht bereits fest, ehe der Würfel auf der Tischfläche landet, wie viele Augen wir würfeln werden. Die Beschaffenheit der Tischoberfläche steht fest – sie ist nie komplett eben. Geschwindigkeit und Winkel des Würfels stehen fest. Ebenso der Aufprallwinkel, die würfelähnliche Form des Würfels, die Temperatur, der Luftzug, die Reibung am Tisch und so weiter. Alle die schönen Parameter, die wir nur teilweise beeinflussen können.“ „Aber dann haben wir doch Einfluss! Und was, wenn jemand den Tisch umwirft, ehe der Würfel liegen geblieben ist?“ „Ein weiterer Parameter auf den ich keinen Einfluss habe. Nicht mehr und nicht weniger.

Fortsetzung folgt.
© politecke

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Nichts wissen (30/2009)

Nichts wissen (30/2009)

 

Samstag, 25. Juli 2009

Bierbruder

Bloggerboy

Cyberclown

Holzhackerin

Kamelkäufer

Wirt

 

“Nichts wissen ist das Eine – aber nichts wissen, und etwas anderes zu behaupten – das ist etwas ganz anderes. Etwas deutlich schlechteres.“ „Und was wenn man nicht weiß, dass man nichts weiß?“ „Jedenfalls ist es heute unmöglich, alles zu wissen. Das Wichtigste ist es zu wissen, wo man welche Information finden kann. An dieser Stelle kommen die Suchmaschinen ins Spiel: Google, Yahoo, Altavista, MSN, Bing, Metager, Lycos, Allesklar, Acoon, Fireball. Und und und. So verdient man Geld im Internet. Ich meine, so verdient man richtig Geld, nicht nur ein paar Cent. Von einem Meinungsmonopol sind diese Datenkraken weit entfernt. Jeder kann seinen eigenen Senf digitalisiert hochladen. Stellt sich die Frage – und die sollte sich jeder stellen – wer profitiert am meisten vom Internet?“

 

„Wenn du mal genau hinschaust stellst du fest, das dich dieses web2.0 mehr desinformiert als informiert. Dieses ganze Theater, dieses ganze Internetzeug fühlt sich vorübergehend gut an. Aber mit der Zeit stellst du fest, dass es im Vergleich zum realen Leben nur ein Stummfilm in Schwarz-Weiß ist. Keine echten Gefühle. Keine echten Emotionen. Keine echten Gerüche. Keine echten Menschen. Alles nur gekünstelt und vereinfacht. In Binärcode verschlüsselt. In Einsen und Nullen verwandelt. Die Realität bleibt leider auf der Strecke. Die Menschlichkeit. Gerade das Zwischenmenschliche. Mir ist das alles viel zu oberflächlich. Zu kalt.“

 

„Aber Holzhackerin - dies passt doch in die Zeit! Jeder macht was er will. Keiner macht was er soll. Aber alle machen mit. Die Jungs sitzen am PC und hacken sich irgendwo rein und du marschierst mit einer Kettensäge auf der Schulter in den Wald und lebst deine durch Emanzipation gewonne Freiheit und Selbstbewusstsein aus. Was soll daran schlecht sein?“ Das Bild runzelt fragend die faltige Stirn und hält sich wie gewöhnlich aus der Diskussion heraus. „Prost Leute – streitet nicht! Trinkt lieber!“ „Prost mon frère du bière. A votre santés!“ „Seit wann wird hier eigentlich französisch gesprochen? Ganz was Neues.“ „Wo führt das ganze noch hin? Auch diese Roboter machen mir Angst. Bin ja mal gespannt wann es die ersten Sex-Roboter gibt. Wenn eine Nachfrage da ist und die gibt es bestimmt und wenn man damit Geld verdienen kann und das kann man bestimmt steht uns eine derartige Entwicklung bestimmt ins Haus. Ich finde das abartiger als jedes Flatrate-Puff. Perverser als jedes schmutzige Sexspiel, welches ich mir wohl nicht mal vorstellen kann. Und ich habe immerhin die 120 Tage gelesen. Die 120 Tage von ihr wisst schon. Das kann ich echt nicht weiter empfehlen. Aber tausendmal schlimmer ist die Vorstellung, wenn ein Roboter beziehungsweise eine Roboterin ein Geschlecht bekommt und den Geschlechtsakt, nein, ich höre auf. Ich will mir das gar nicht ausmalen. Vielleicht will ich das gar nicht erleben. Kannst gerne darüber bloggen.“ „Ich schreibe über alles – vielleicht lege ich eine extra Kategorie für futureous-f*cking an. Mal sehen.“

 

„Hey Kamelkäufer – du bist so ruhig. Was ist los mit dir? Wie war es denn in deinem Urlaub in Ägypten? Schön sonnig. Heiß. Toll. Ich hab‘ mir zwei Kamele gekauft. Verdammt teuer diese Tierchen. Aber wartet ab – wenn das mit der Klimakatastrophe so weitergeht und wir weitermachen wie bisher leben wir hier bald in einer Wüste und dann explodiert die Nachfrage nach Kamelen und damit auch der Wert und damit auch der Preis der Kamele und damit werde ich reich denn ich werde sie züchten. Wenn Europa zur Wüste wird bin ich dick im Geschäft. Und wir arbeiten ja mit jeder Autofahrt daran. Meinetwegen könnt ihr auch gerne darüber bloggen. Macht was ihr meint. Bei diesem Fortschritt komme ich jedenfalls nicht mit. Ihr denkt, ihr wärt alle so unterschiedlich aber in Wahrheit wandelt ihr alle im Gleichschritt durchs Netz. Gleichgeschaltet und bedauernswert. Abhängig. Betet, dass Top-Terroristen nicht auf die Idee kommen, den Strom abzuschalten. Denn dann geht es dahin. Vorbei das Onlineleben. Keine Ampeln, keine Aufzüge, keine Kühlschränke, keine Krankenhäuser und erst Recht kein Cybercash. Ist euch klar, wie abhängig ihr seid? Lernt erst einmal, auf eigenen Beinen zu stehen. Dann könnt ihr euch an den Problemen der Welt versuchen.“

 

Fortsetzung folgt. © politecke

 

 

2 Kommentare 25.7.09 20:32, kommentieren

Wettbewerbsverzerrung (29/2009)

Wettbewerbsverzerrung (29/2009)

    

Samstag, 18. Juli 2009

Antiatomkraftamerikaner

Bauernboy

Fernfahrer

Gedichtgirl

Schauspielerin

Wirt

 

“Wettbewerbsverzerrung ist, wenn eine Technologie 60 Jahre nach Markteinführung noch Markteinführungssubventionen benötigt und diese erhält. Das ist eine Art Supergau wenn man bedenkt, was man mit all den Millionen und Milliarden Sinnvolles hätte tun können statt den Energiekonzernen ihre Hochrisikotechnologie Atomenergie zu finanzieren. Gut 40 Milliarden Euro an Steuern, die wir alle bezahlt haben, wurden für den Bau, die Sanierung und den Rückbau von Atomkraftwerken, Forschungsanlagen und Entsorgungseinrichtungen bezahlt“, spricht der Wirt. In der Wirtsstube steht noch der Geruch des Mittagsessens so dass der Hunger den Fernfahrer überkommt und sich dieser eine leckere Currywurst bestellt, ehe er zum rauchen nach draußen geht. Ihn stört das nicht, denn er ist gern an der Luft. Die Schauspielerin qualmt immer innen. Antiatomkraftamerikaner: „Aber das ist noch gar nicht alles. Im Schadensfall muss auch die Gesellschaft aufkommen, denn wer will diese riskanten Ruinen aus dem kalten umweltvernichtenden Krieg schon versichern?“ „Was bildet ihr euch nur ein?“ fragt Bauernboy mit einem Glas Weizen in der Hand. „Wollt ihr denn allen Ernstes zurück in Steinzeit? Ohne Energie gehen die Lichter aus. Und diese erneuerbaren Energien jagen die Preise für Futtermittel so drastisch nach oben, dass wir ums blanke überleben kämpfen müssen. Nur die Bauern, die bei den Mineralölkonzernen ihre Ernte abliefern, nur die bekommen einen Teil des Kuchens. Dummerweise sinkt dadurch das Angebot an Nahrung für den Verbraucher was unausweichlich zu höheren Preisen führt. Diese höheren Einnahmen stecken dann die Supermärkte in ihre Taschen und wir gucken in die Röhre. Diese alternativen Energien sind leider keine brauchbaren Alternativen.“

„Apropos Röhre“, beginnt Gedichtgirl, „manchmal ist das Licht am Ende des dunklen Tunnels nur der entgegenkommende Zug. Und wenn mal wieder so ein AKW-Monstrum in Flammen steht, und die ganze Gegend zu Grunde geht, dann ist es zu spät, wenn ihr dann erst einseht, der Billigstromtraum war nur Lug und Trug. Und sauber ist dieses Zeug eh nicht. Denkt an die Endlagerung, dieses Problem ist nicht gelöst. Wir wissen nicht einmal wohin mit dem verseuchten Müll, der bereits anfiel – produzieren aber ständig mehr davon.“ Der nach Zigaretten riechende Fernfahrer kehrt gerade rechtzeitig zurück von seinem Spaziergang durch die Nachbarschaft denn wer Wirt serviert ihm sein Essen. Dieses sieht so lecker aus, dass dem Bild an der Wand das Wasser im Mund zusammenläuft. „Ich glaub ja“, befürchtet der Wirt, „dass deine Currywurst aufgrund völlig verfehlter Energiepolitik teilweise mit Atomstrom erhitzt wurde. Lass sie dir schmecken.“ „Gibt’s Atompilze dazu?“ „Manchmal beneide ich die Menschen in so genannten unterentwickelten Ländern, die keine derartigen Sorgen haben, denen es nur darum geht, etwas zu essen zu finden, und ihre Kinder groß zu ziehen und glücklich zu sein und von den großen globalen Problemen nichts wissen.“

Fortsetzung folgt. © politecke

 

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Vom Parteienverbot (28/2009)

Vom Parteienverbot (28/2009)

Freutag, 10. Juli 2009
Bundeswehrboy
Gothicgirl
Powerplayer
Schauspielerin
Superschülerin
Wirt
 

„Vom Parteienverbot zum Unrechtsstaat ist es leider nicht weit. Man kann nicht einfach alles ausblenden, also verbieten, was einem nicht passt. Damit werden diese Meinungen nicht ausgelöscht sondern möglicherweise extremisiert. Gäbe es keine NPD würden sich die rechtsradikalen auf verschiedene Gruppierungen aufsplittern was zunächst gut ist, da sie kurzzeitig getrennt weniger stark sind als vereint, und Politiker denken leider oft nur kurzfristig, bis zur nächsten Wahl, aber auf längere Sicht ist diese Szene weniger übersichtlich. Weniger überwachbar. Verschiedene Vereinigungen könnten um Ansehen konkurrieren und versuchen, sich mit Straftaten zu überbieten. Oder mit höheren Mitgliederzahlen. Dafür würden sie für ihre Zusammenschlüsse dann noch mehr werben als ohnehin schon. Das sind nur einige wenige Probleme. Und rechtsstaatlich ist das ohnehin nicht. Pluralismus lebt von verschiedenen Meinungen. Und unser Staat ist eine pluralistische Gesellschaft. Die Nazis und andere totalitäre Regimes haben stets versucht, mit unterschiedlichem Erfolg, Oppositionen auszuschalten. Wir sollten uns nicht auf diese Stufe stellen. Wir sollten das Problem, und Neonazis sind ohne wenn und aber ein Problem, lösen. Naiv ist, wer glaubt, dass es keine Nazis mehr gäbe sobald die NPD verboten ist. Quatsch. Trotz eines KPD-Verbots konnte der Kommunismus auch in der BRD über Jahrzehnte hinweg bis heute überdauern.“ „Sollen wir uns von den Taliban wirklich weiter terrorisieren lassen?“ „Lenk doch bitte nicht vom Thema ab. Das hatten wir doch schon so oft. Nicht schon wieder. Es gibt doch genug andere Probleme. Mister USA besucht die den offiziell ersten Mann im größten Land der Welt und hat für den Mann, der dort die erste Geige spielt und die Fäden in der Hand hält nur Zeit für ein Frühstück. So wird das nichts. Aus meiner Sicht ein klarer Fehler.“ „Die hätten gerne hier bei und mit uns frühstücken können.“ „Denen hätte ich was erzählt. Echt.“ „Okay, zurück zum Thema. Ich bin für mehr V-Leute – wie steht denn ihr dazu?“ fragt der Wirt während er dem im Sonnenlicht erstrahlenden Bild zuprostet.

„Jaja – die Schattenbehörden. Ich ärgere mich halt immer über die Aktionen, die absolut überflüssig sind. Ich bezahl sie nämlich. Wir bezahlen sie nämlich. Durch Steuern. Prinzipiell habe ich gar nichts gegen die. Sogar arbeiten würde ich für eine derartige Behörde, wenn man mich fragen würde. Haben sie aber bislang noch nicht. Dann sollen sie mich auch in Ruhe lassen. Oder bereite ich denen Ärger und Stress? Manchmal, so kommt es mir vor, observieren die mich. Und das so schlecht, dass ich sie problemlos abschütteln könnte wenn ich wollte. Außerdem merk ich immer gleich, dass sie wieder ein Auge auf mich werfen. Wie gesagt – mich wurmt, dass ich es bezahlen muss. Was soll der Quatsch also? Aber das war nicht deine Frage, lag mir dennoch auf den Lippen.“ „Vollgas. Das Wichtigste ist Vollgas. Ich kann es nur immer wieder betonen. Immer powern. Alles geben. An die Grenzen gehen.“ „V-Leute sind teuer, ineffizient und hochgradig unverlässlich, dies weiß doch jedes Kind“, sagt die Superschülerin ehe sie hinzufügt: „Ich geh dann mal. Ich muss noch lernen. Tschüss!“ Die Schauspielerin winkt ihr gekonnt hinterher und meint, dass sie so gerne hierher käme, da jeder seine Meinung sagen könne und jeder willkommen wäre. Dies fasziniere sie. „Hey Wirt, sag mal – nach was richt es denn? Hast du einen Pustekuchen gebacken?“ „Nein, natürlich nicht. Habe nur mal eben eine Suppe für mich selbst gekocht.“ Es gibt eben Menschen, die man nicht mit normalen Maßstäben messen kann. Gothicgirl: „Ich gehe dann auch mal. Carpe Noctem!“ „Hey – lernen ist Wettbewerbsverzerrung!“

Fortsetzung folgt.
© politecke

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Im Griff (27/2009)

Im Griff (27/2009)

Samstag, 04. Juli 2009
Bundeswehrboy
Friedensfreund
Gedichtgirl
Kunstkennerin
Lippenstiftlobbyist
Wirt

 „Im Griff der Feinde fürchten unsere Jungs tagtäglich um Leib und Leben. In Begriff der Ausweglosigkeit scheint es für Viele kein Morgen zu geben. Bisher haben dies leider nur Wenige begriffen“, kommentiert der Wirt und verschwindet kurz in den Keller, um eine Flasche Asbach für seine Gäste zu holen. Gedichtgirl: „Deutsche Tanks in Afghanistan, / stehen zur Schlacht gegen Taliban. / Es rasseln die Ketten, sie singen im Chor: / What fucking reasons are we here for?“ „Man hätte da nie mitmachen sollen“, meint der Friedensfreund, „und jetzt haben die noch immer nicht die Eier, ihren Fehler einzusehen und die Konsequenzen zu ziehen.“ Bundeswehrboy: „Die politische Couleur ist uns egal. Wir erfüllen unseren Auftrag.  Bei Wind und Wetter, diesem belastenden Klima, trotz Trennung zu Kind und Kegel, zu Frau und Familie. Wir erfüllen alle nach bestem Wissen und Gewissen unseren Auftrag. Sonst nichts. Mit Politik haben wir glücklicherweise nichts am Hut. Jedenfalls nicht im Dienst. Nicht mit dem Adler auf der Brust. Das ging ohnehin noch nie gut. Wir sind dort keine Besatzer. Wir sind auf Bitte des afghanischen Präsidenten und zu Schutz und Trutz der Afghanen dort unten. Zum Wiederaufbau. Afghanistan war vor dem Krieg auch schon unterentwickelt. Und gerade wir Deutsche sind dort sehr angesehen und beliebt und große Hoffnungsträger und Sympathisanten – da darf man die Eier nicht einziehen und so mir nichts dir nichts weglaufen. Die Taliban werden sich mit diesem Staat keinesfalls zufrieden geben. Wir würden durch Roll-Back noch mehr ins Visier des Terrors geraten. Eines erstarkten und besser motivierten Terrors.“ „Das Volk will den Einsatz nicht länger. Das sagen die Meinungsumfragen. Punkt. Wenn das Volk tatsächlich herrscht, muss der Wille des Volkes geachtet werden, sonst herrscht es nur scheinbar.“


Gedichtgirl: „Der Imperator war ein Thor. / Es rollt schon lange nichts mehr vor. / Sie suchen ihr Glück / in der Flucht zurück.“ „Warum nicht komplett auf Englisch beziehungsweise komplett auf Deutsch?“ „Dieser Kampfeinsatz war keine deutsche Idee. Und unsere Leo-II-Kampfpanzer fahren Kandier, in Südafghanistan. Deswegen. Bin aber noch Anfängerin in Sachen Lyrik.“ Der Wirt betritt den Raum und lächelt dem Bild zu. Er erzählt: „Oh Mann – ich hätte fast keine Flasche gefunden – da stehen so viele im Keller rum. Das ist schon fast wie die berühmte Nadel im Heuhaufen zu suchen.“ Kunstkennerin: „Wenn man die Nadel im Heuhaufen nicht findet – einfach den Heuhaufen anzünden! Klappt immer. Für Nebenwirkungen übernehme ich keine Haftung.“ „Aber die wären gut für die Wirtschaft. Katastrophen, Kriege und Unglücksfälle sorgen immer für positive Impulse für die Konjunktur.“ „Apropos Krise – wie läuft es denn bei euch, lieber Lippenstiftlobbyist?“ fragt der Friedensfreund.


„Unserer Branche geht es gut. Wie immer in Krisenzeiten. Man spricht selbst in elitären Kreisen vom Lippenstift-Indikator. Steigen unsere Absätze, steckt unser Staat in der Krise. In schwierigen Zeiten ist dies jedesmal so. Keine Ahnung warum. Vielleicht will man verbergen, dass es einem schlecht geht und schminkt sich deswegen.“ „Ich weiß. Das hat unser VWL-Professor neulich in seiner Vorlesung berichtet. Schon erstaunlich, dass dafür Geld zur Verfügung steht“, meint das Gedichtgirl und zündet sich eine Zigarette an.


„Seit wann wird hier wieder geraucht?“ erkundigt sich der Wirt. „Das ist doch nur ein Nebenkriegsschauplatz an der Heimatfront. Und Wahlkampfthema. Viel wichtiger ist etwas ganz anderes: V-Leute raus aus der NPD – die bringen uns nämlich nichts. Kosten uns Steuerzahlern aber einiges. Sie sind unverlässlich bis dort hinaus. So ein Typ aus Westdeutschland hat die NPD mit diesen Steuergeldern sogar aufgebaut. Diese V-Leute haben unsere Sicherheitskräfte in der Hand. Könnten unseren Staat desinformieren, sprich, ganz gezielt mit falschen Informationen füttern. V-Leute raus aus der NPD – und dann eventuell ein neues Verbotsverfahren forcieren.“ „Ich bin gegen Parteienverbote. Absolut. Ist die Partei weg vom Fenster wird in Windeseile eine Neue gegründet. Unser Problem bleibt ungelöst. Wir müssen Faschismus und Rassismus an der Wurzel bekämpfen und ihr nicht den nachwachsenden Kopf abhacken. Das gilt allgemein, nicht nur auf die Neonazis bezogen. Parteienverbote bringen uns nicht weiter. Ich halte es für wenig demokratisch und absolut antipluralistisch, diese Idee vom Parteienverbot.“


Fortsetzung folgt.
© politecke

1 Kommentar 4.7.09 20:34, kommentieren

Theorie (26/2009)

Theorie (26/2009)

Samstag, 27. Juni 2009
Bordellbesitzerin
Bundeswehrboy
Kunstkennerin
Milchmann
Sonderschüler
Wirt

„Theorie hin, Theorie her. In der Theorie ist der Westen gut, der Rest böse. Das triffts nur leider längst nicht mehr. Man sollte in der Praxis nämlich etwas genauer hinsehen: Wenn man einen Staat beurteilen will, hat ein schlauer Mann mal gesagt, müsse man seine Gefängnisse von Innen anschauen. Blick ich nach Guantanamo, wird mir kotzübel,“ wirft die Kunstkennerin ein. Bundeswehrboy meint: „Lass mich mal ausreden, schließlich habe ich dich zuerst unterbrochen. Wir befinden uns in Afghanistan in einem veritablen Krieg. Allerdings in einem, der keineswegs gegen das afghanische Volk sondern terroristische Kräfte geführt wird. Dies kann man laut Definition leider keinen Krieg nennen, da Kriege nur zwischen zwei Staaten oder einer Befreiungsbewegung und einer Kolonialmacht möglich sind. Vielleicht sollte man die Definition an die Ist-Situation anpassen, denn diese Verniedlichungen sind nun mal unzutreffend. Die zentralen Missionsziele Wiederaufbau und Entwicklung sind nicht zu verwirklichen, solange diese störenden, terroristischen Elemente Einfluss nehmen können. Sieht man sich an, was dort geschieht, stellt man fest, dass es nichts anderes ist als Krieg. Diese Euphemismen bringen uns kein Stück weiter.“ Der Milchmann kritisiert, wie schon den gesamten Nachmittag, die hohe Belastung der Staatskassen und damit des Steuerzahlers: „Alleine die Kriegslogistik verschlingt Unmengen an Steuergeldern. Wie viele sollen denn noch sterben? Für Deutschland fallen? Und wofür genau? Für Deutschland klingt recht allgemein. Für einen Frieden, von dem sie nichts mehr haben oder für die Demokratie in einem Staat, in dem sie nicht leben. Weil sie gar nicht mehr leben.“ Sonderschüler: „Ich sehe schon, an euren schlauen Bemerkungen werde ich mir früher oder später noch einen Weisheitszahn ausbeißen.“ Bundeswehrboy: „Sätze kann man widerlegen, Maschinengewehre nicht.“
 

Wirt: „Hey Bordellbesitzerin, erzähl doch bitte mal: Was gibt’s denn Neues im senkrechten Gewerbe? Ich habe neulich in einer Anzeige gelesen, dass es den kompletten Service nur mit Schutz gibt? Bezieht sich das auch aufs Küssen?“ Bordellbesitzerin: „Küssen ist den meisten meiner Ladys zu intim. Vögeln ist Fun. Man kann sich zudem auch ohne Küssen fortpflanzen, das ist ja der eigentliche, naturgegebene Sinn des Ganzen. Küssen ist dazu nicht nötig. Küssen bleibt der Liebe vorbehalten. Ich finde dies ziemlich süß. Und Schutz ist selbstverständlich Pflicht. Für die Gesundheit meiner Kundinnen und Kunden und meiner Schwalben natürlich. Aber das Geschäft geht mehr schlecht als recht. Das liegt an der Krise. Ist immer so. Es wird an der schönsten Sache der Welt gespart. Nur die arbeitsgeilen Nutten, meine besten Stuten im Stall, diese Kolleginnen, sind immer voll ausgelastet.“ „Für die schönste Sache der Welt brauche ich gar kein Geld auszugeben, diese bekomme ich gratis bei mir im Bett“, gibt die Kunstkennerin zu bedenken. „Aber ich dachte eigentlich, dass Pay6 immer Rendite abwirft und krisensicher wäre.“ „Was ist schon sicher? Die Krise hat uns fest im Griff.“

Fortsetzung folgt.
© politecke

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Die Wohlfahrt des Volkes (25/2009)

Die Wohlfahrt des Volkes (25/2009)

Sonntag, 14. Juni 2009
Bundeswehrboy
Kunstkennerin
Milchmann
Schauspielerin
Sonderschüler
Wirt

„Die Wohlfahrt des Volkes muss alleroberste Priorität besitzen. Alle Macht geht vom Volke aus“, spricht der Wirt und stellt der Kunstkennerin ein Glas Weißwein auf den Tisch. Diese meint: „Und wie soll das Volk die Macht ausüben, sich wehren, herrschen, wenn die Obrigkeit die Gesetzte macht? Wenn die Obrigkeit das Volk überwacht? Von der Geburt bis in der Sarg. Tag und Nacht. Mit Taschenmesser? Alles andere ist doch verboten. Einhandmesser, Messer mit Klingenlängen größer 12cm und Schusswaffen und was weiß ich was. Auch wenn es Ausnahmen gibt. Und bei denen, die Waffen tragen, darf man sich teilweise wundern, ob die uns helfen und schützen oder aber einschüchtern wollen. Wohin hat sich die Freiheit eigentlich verkrochen? Wo versteckt sie sich? Wer hat sie verscheucht?“ „Naja, bei den meisten Straftaten, bei denen Waffen verwendet werden, sind dies fast immer Messer. In 70% der Fälle, soweit ich weiß. Oft das gute alte Küchenmesser. Dagegen helfen Waffenverbote nichts. Absurd.“ „Naja, da könnte man ein ganzes Buch füllen, mit Beispielen, für sinnlose Gesetze. Manchmal sind sie sogar gut gemeint, laufen aber vollauf ins Leere. Das ist ab und an nur noch lächerlich.“ „Und wenn alle Waffen verboten sind, selbst alle Gebrauchs- und Arbeitsmesser, alle Äxte, auch alle Feuerwehräxte, jedes Messer, welches zum Durchtrennen von Gurten nach Unfällen bei der Bergung der Opfer beziehungsweise Rettung von Verletzten verwendet wird, jedes Pfefferspray und weiß Gott was, dann nimmt man eben einen Stein.“ „Und wenn alle Steine ins Meer geworfen wurden, werden eben Autobremsen und Aufzüge manipuliert oder Gift in Trinkgläser gekippt. Und wenn das auch nicht mehr möglich ist, nimmt man die bloße Hand. So einfach ist dies. Und manche Blicke können auch töten.“ „Und es soll auch Menschen geben, die andere einfach volllabern bis sie tot umfallen.“ „Und was ist mit unterlassener Hilfeleistung mit Todesfolge? Und wenn jemand vor einen Zug gestoßen wird? Wie will man das denn verhindern? Ich denke, dass es besser wäre, Menschen so zu erziehen, dass sie ihre Konflikte kommunikativ einer Lösung zuführen“, meint die Kunstkennerin, „wobei die Politik und ihre Faust aus Stahl kein Vorbild ist. Überwachung und Zensur sind jedenfalls Kennzeichen von Unrechtsstaaten. Verfolgung, Ausgrenzung, Diskriminierung – alles nichts Neues.“


Während das Bild gähnt geht die große Tür auf. Der Bundeswehrboy tritt ein. Milchmann: „Du bist heute aber spät dran!“ „Wann ich komme hängt immer vom Verkehr ab.“ Die Schauspielerin lacht. „Hallo mein Lieber. Schön, dass du da bist. Du schneist hier herein und schon sinkt das Niveau dahin, wo wir uns am allerbesten auskennen.“ „Mich würde auch interessieren, warum du so spät dran bist. Erzähl doch mal“, fordert die Kunstkennerin mit einem gekünstelten Lächeln auf ihren Lippen. „Ich musste ausschlafen. Bin tagsüber müde, weil ich nachts ein Superheld bin. Kein schöner Job, aber jemand muss ihn tun.“ Schauspielerin: „Was war eigentlich mit der SPD los? Da wird einem Angst und Bange, wenn man bedenkt, welch wichtige Wahlen dieses Jahr noch auf uns zukommen.“ Wirt: „Man darf das kein Debakel nennen. Man muss die gute Seite sehen. Wenn es so weiter geht haben alle SPD-Wähler demnächst die Möglichkeit, sich alle persönlich zu kennen. Weil es so wenige sind. Das ist doch auch etwas. Wie gesagt, solange das Volk entscheidet was das Beste ist, und sich dabei tatsächlich für das Beste, was es leider nicht gibt, entscheidet, sollte alles in Butter sein. Zumindest in der Theorie.“

Fortsetzung folgt.
© politecke

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