Theorie (26/2009)

Theorie (26/2009)

Samstag, 27. Juni 2009
Bordellbesitzerin
Bundeswehrboy
Kunstkennerin
Milchmann
Sonderschüler
Wirt

„Theorie hin, Theorie her. In der Theorie ist der Westen gut, der Rest böse. Das triffts nur leider längst nicht mehr. Man sollte in der Praxis nämlich etwas genauer hinsehen: Wenn man einen Staat beurteilen will, hat ein schlauer Mann mal gesagt, müsse man seine Gefängnisse von Innen anschauen. Blick ich nach Guantanamo, wird mir kotzübel,“ wirft die Kunstkennerin ein. Bundeswehrboy meint: „Lass mich mal ausreden, schließlich habe ich dich zuerst unterbrochen. Wir befinden uns in Afghanistan in einem veritablen Krieg. Allerdings in einem, der keineswegs gegen das afghanische Volk sondern terroristische Kräfte geführt wird. Dies kann man laut Definition leider keinen Krieg nennen, da Kriege nur zwischen zwei Staaten oder einer Befreiungsbewegung und einer Kolonialmacht möglich sind. Vielleicht sollte man die Definition an die Ist-Situation anpassen, denn diese Verniedlichungen sind nun mal unzutreffend. Die zentralen Missionsziele Wiederaufbau und Entwicklung sind nicht zu verwirklichen, solange diese störenden, terroristischen Elemente Einfluss nehmen können. Sieht man sich an, was dort geschieht, stellt man fest, dass es nichts anderes ist als Krieg. Diese Euphemismen bringen uns kein Stück weiter.“ Der Milchmann kritisiert, wie schon den gesamten Nachmittag, die hohe Belastung der Staatskassen und damit des Steuerzahlers: „Alleine die Kriegslogistik verschlingt Unmengen an Steuergeldern. Wie viele sollen denn noch sterben? Für Deutschland fallen? Und wofür genau? Für Deutschland klingt recht allgemein. Für einen Frieden, von dem sie nichts mehr haben oder für die Demokratie in einem Staat, in dem sie nicht leben. Weil sie gar nicht mehr leben.“ Sonderschüler: „Ich sehe schon, an euren schlauen Bemerkungen werde ich mir früher oder später noch einen Weisheitszahn ausbeißen.“ Bundeswehrboy: „Sätze kann man widerlegen, Maschinengewehre nicht.“
 

Wirt: „Hey Bordellbesitzerin, erzähl doch bitte mal: Was gibt’s denn Neues im senkrechten Gewerbe? Ich habe neulich in einer Anzeige gelesen, dass es den kompletten Service nur mit Schutz gibt? Bezieht sich das auch aufs Küssen?“ Bordellbesitzerin: „Küssen ist den meisten meiner Ladys zu intim. Vögeln ist Fun. Man kann sich zudem auch ohne Küssen fortpflanzen, das ist ja der eigentliche, naturgegebene Sinn des Ganzen. Küssen ist dazu nicht nötig. Küssen bleibt der Liebe vorbehalten. Ich finde dies ziemlich süß. Und Schutz ist selbstverständlich Pflicht. Für die Gesundheit meiner Kundinnen und Kunden und meiner Schwalben natürlich. Aber das Geschäft geht mehr schlecht als recht. Das liegt an der Krise. Ist immer so. Es wird an der schönsten Sache der Welt gespart. Nur die arbeitsgeilen Nutten, meine besten Stuten im Stall, diese Kolleginnen, sind immer voll ausgelastet.“ „Für die schönste Sache der Welt brauche ich gar kein Geld auszugeben, diese bekomme ich gratis bei mir im Bett“, gibt die Kunstkennerin zu bedenken. „Aber ich dachte eigentlich, dass Pay6 immer Rendite abwirft und krisensicher wäre.“ „Was ist schon sicher? Die Krise hat uns fest im Griff.“

Fortsetzung folgt.
© politecke

27.6.09 15:53

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