Wettbewerbsverzerrung (29/2009)

Wettbewerbsverzerrung (29/2009)

    

Samstag, 18. Juli 2009

Antiatomkraftamerikaner

Bauernboy

Fernfahrer

Gedichtgirl

Schauspielerin

Wirt

 

“Wettbewerbsverzerrung ist, wenn eine Technologie 60 Jahre nach Markteinführung noch Markteinführungssubventionen benötigt und diese erhält. Das ist eine Art Supergau wenn man bedenkt, was man mit all den Millionen und Milliarden Sinnvolles hätte tun können statt den Energiekonzernen ihre Hochrisikotechnologie Atomenergie zu finanzieren. Gut 40 Milliarden Euro an Steuern, die wir alle bezahlt haben, wurden für den Bau, die Sanierung und den Rückbau von Atomkraftwerken, Forschungsanlagen und Entsorgungseinrichtungen bezahlt“, spricht der Wirt. In der Wirtsstube steht noch der Geruch des Mittagsessens so dass der Hunger den Fernfahrer überkommt und sich dieser eine leckere Currywurst bestellt, ehe er zum rauchen nach draußen geht. Ihn stört das nicht, denn er ist gern an der Luft. Die Schauspielerin qualmt immer innen. Antiatomkraftamerikaner: „Aber das ist noch gar nicht alles. Im Schadensfall muss auch die Gesellschaft aufkommen, denn wer will diese riskanten Ruinen aus dem kalten umweltvernichtenden Krieg schon versichern?“ „Was bildet ihr euch nur ein?“ fragt Bauernboy mit einem Glas Weizen in der Hand. „Wollt ihr denn allen Ernstes zurück in Steinzeit? Ohne Energie gehen die Lichter aus. Und diese erneuerbaren Energien jagen die Preise für Futtermittel so drastisch nach oben, dass wir ums blanke überleben kämpfen müssen. Nur die Bauern, die bei den Mineralölkonzernen ihre Ernte abliefern, nur die bekommen einen Teil des Kuchens. Dummerweise sinkt dadurch das Angebot an Nahrung für den Verbraucher was unausweichlich zu höheren Preisen führt. Diese höheren Einnahmen stecken dann die Supermärkte in ihre Taschen und wir gucken in die Röhre. Diese alternativen Energien sind leider keine brauchbaren Alternativen.“

„Apropos Röhre“, beginnt Gedichtgirl, „manchmal ist das Licht am Ende des dunklen Tunnels nur der entgegenkommende Zug. Und wenn mal wieder so ein AKW-Monstrum in Flammen steht, und die ganze Gegend zu Grunde geht, dann ist es zu spät, wenn ihr dann erst einseht, der Billigstromtraum war nur Lug und Trug. Und sauber ist dieses Zeug eh nicht. Denkt an die Endlagerung, dieses Problem ist nicht gelöst. Wir wissen nicht einmal wohin mit dem verseuchten Müll, der bereits anfiel – produzieren aber ständig mehr davon.“ Der nach Zigaretten riechende Fernfahrer kehrt gerade rechtzeitig zurück von seinem Spaziergang durch die Nachbarschaft denn wer Wirt serviert ihm sein Essen. Dieses sieht so lecker aus, dass dem Bild an der Wand das Wasser im Mund zusammenläuft. „Ich glaub ja“, befürchtet der Wirt, „dass deine Currywurst aufgrund völlig verfehlter Energiepolitik teilweise mit Atomstrom erhitzt wurde. Lass sie dir schmecken.“ „Gibt’s Atompilze dazu?“ „Manchmal beneide ich die Menschen in so genannten unterentwickelten Ländern, die keine derartigen Sorgen haben, denen es nur darum geht, etwas zu essen zu finden, und ihre Kinder groß zu ziehen und glücklich zu sein und von den großen globalen Problemen nichts wissen.“

Fortsetzung folgt. © politecke

 

18.7.09 15:05

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