Nichts wissen (30/2009)

Nichts wissen (30/2009)

 

Samstag, 25. Juli 2009

Bierbruder

Bloggerboy

Cyberclown

Holzhackerin

Kamelkäufer

Wirt

 

“Nichts wissen ist das Eine – aber nichts wissen, und etwas anderes zu behaupten – das ist etwas ganz anderes. Etwas deutlich schlechteres.“ „Und was wenn man nicht weiß, dass man nichts weiß?“ „Jedenfalls ist es heute unmöglich, alles zu wissen. Das Wichtigste ist es zu wissen, wo man welche Information finden kann. An dieser Stelle kommen die Suchmaschinen ins Spiel: Google, Yahoo, Altavista, MSN, Bing, Metager, Lycos, Allesklar, Acoon, Fireball. Und und und. So verdient man Geld im Internet. Ich meine, so verdient man richtig Geld, nicht nur ein paar Cent. Von einem Meinungsmonopol sind diese Datenkraken weit entfernt. Jeder kann seinen eigenen Senf digitalisiert hochladen. Stellt sich die Frage – und die sollte sich jeder stellen – wer profitiert am meisten vom Internet?“

 

„Wenn du mal genau hinschaust stellst du fest, das dich dieses web2.0 mehr desinformiert als informiert. Dieses ganze Theater, dieses ganze Internetzeug fühlt sich vorübergehend gut an. Aber mit der Zeit stellst du fest, dass es im Vergleich zum realen Leben nur ein Stummfilm in Schwarz-Weiß ist. Keine echten Gefühle. Keine echten Emotionen. Keine echten Gerüche. Keine echten Menschen. Alles nur gekünstelt und vereinfacht. In Binärcode verschlüsselt. In Einsen und Nullen verwandelt. Die Realität bleibt leider auf der Strecke. Die Menschlichkeit. Gerade das Zwischenmenschliche. Mir ist das alles viel zu oberflächlich. Zu kalt.“

 

„Aber Holzhackerin - dies passt doch in die Zeit! Jeder macht was er will. Keiner macht was er soll. Aber alle machen mit. Die Jungs sitzen am PC und hacken sich irgendwo rein und du marschierst mit einer Kettensäge auf der Schulter in den Wald und lebst deine durch Emanzipation gewonne Freiheit und Selbstbewusstsein aus. Was soll daran schlecht sein?“ Das Bild runzelt fragend die faltige Stirn und hält sich wie gewöhnlich aus der Diskussion heraus. „Prost Leute – streitet nicht! Trinkt lieber!“ „Prost mon frère du bière. A votre santés!“ „Seit wann wird hier eigentlich französisch gesprochen? Ganz was Neues.“ „Wo führt das ganze noch hin? Auch diese Roboter machen mir Angst. Bin ja mal gespannt wann es die ersten Sex-Roboter gibt. Wenn eine Nachfrage da ist und die gibt es bestimmt und wenn man damit Geld verdienen kann und das kann man bestimmt steht uns eine derartige Entwicklung bestimmt ins Haus. Ich finde das abartiger als jedes Flatrate-Puff. Perverser als jedes schmutzige Sexspiel, welches ich mir wohl nicht mal vorstellen kann. Und ich habe immerhin die 120 Tage gelesen. Die 120 Tage von ihr wisst schon. Das kann ich echt nicht weiter empfehlen. Aber tausendmal schlimmer ist die Vorstellung, wenn ein Roboter beziehungsweise eine Roboterin ein Geschlecht bekommt und den Geschlechtsakt, nein, ich höre auf. Ich will mir das gar nicht ausmalen. Vielleicht will ich das gar nicht erleben. Kannst gerne darüber bloggen.“ „Ich schreibe über alles – vielleicht lege ich eine extra Kategorie für futureous-f*cking an. Mal sehen.“

 

„Hey Kamelkäufer – du bist so ruhig. Was ist los mit dir? Wie war es denn in deinem Urlaub in Ägypten? Schön sonnig. Heiß. Toll. Ich hab‘ mir zwei Kamele gekauft. Verdammt teuer diese Tierchen. Aber wartet ab – wenn das mit der Klimakatastrophe so weitergeht und wir weitermachen wie bisher leben wir hier bald in einer Wüste und dann explodiert die Nachfrage nach Kamelen und damit auch der Wert und damit auch der Preis der Kamele und damit werde ich reich denn ich werde sie züchten. Wenn Europa zur Wüste wird bin ich dick im Geschäft. Und wir arbeiten ja mit jeder Autofahrt daran. Meinetwegen könnt ihr auch gerne darüber bloggen. Macht was ihr meint. Bei diesem Fortschritt komme ich jedenfalls nicht mit. Ihr denkt, ihr wärt alle so unterschiedlich aber in Wahrheit wandelt ihr alle im Gleichschritt durchs Netz. Gleichgeschaltet und bedauernswert. Abhängig. Betet, dass Top-Terroristen nicht auf die Idee kommen, den Strom abzuschalten. Denn dann geht es dahin. Vorbei das Onlineleben. Keine Ampeln, keine Aufzüge, keine Kühlschränke, keine Krankenhäuser und erst Recht kein Cybercash. Ist euch klar, wie abhängig ihr seid? Lernt erst einmal, auf eigenen Beinen zu stehen. Dann könnt ihr euch an den Problemen der Welt versuchen.“

 

Fortsetzung folgt. © politecke

 

 

25.7.09 20:32

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


blorg / Website (25.7.09 22:49)
sehr lesenswert ...
aber auch sehr viel zu lesen ^~

interessanter schreibstil...
charmant durch das sprunghafte~

aber definitiv schwer zu kommentieren,
ohne gleich einen Roman zu verfassen :D

nice~

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